Neuendorf liegt am Ende der Brandenburger Welt. Hier endet die Straße an See und Havel. Allerdings kann man mit der Fähre übersetzen, was wir empfehlen möchten, denn wir Neuendorfer haben um den Erhalt der Fähre hart gekämpft.
Aber bleiben wir erst einmal im alten Dorfkern, der sich um die Kirche schart, denn die Neuendorfer Gemeinde ist von alters her eine Tochter von St. Gotthardt. Sie war immer klein. Das ganze Dorf bestand aus acht Bauernhöfen und zwei Hirtenhäusern. Ein kleines Schulhaus kam 1681 dazu, erstaunlich früh für die damalige Zeit. Im Kern gilt es als eines der ältesten erhaltenen Schulhäuser der Mark Brandenburg. Darin unterrichtete der Schulmeister die wenigen Kinder und betrieb ein Handwerk. Als Küster versorgte er die Kirche, die die Neuendorfer sich 1588 erbaut hatten und mit deren Inneneinrichtung sie mehrere Jahrzehnte beschäftigt waren. Das erhalten gebliebene Rechnungsbuch gibt uns darüber bewegende Einblicke. Doch als sie baufällig wurde hatte die Stadt als Patron Einsicht und errichtete 1751/52 auf ihre Kosten für die Neuendorfer die schlichte und doch schöne Barockkirche. Um 1900 entdeckten Brandenburger die wald- und wasserreiche Umgebung, wozu auch das romantische kleine Neuendorf gehörte. Es wurde zum beliebten Ausflugsziel. Gleichzeitig setzte eine rege Siedlungstätigkeit ein, die bis heute anhält. Doch die Kirchengemeinde ist klein geworden. Dennoch halten wir regelmäßig Gottesdienste, im Winter in der alten Schule. Der Turm der KIrche gehört mit seiner Zwiebelhaube und der barocken Turmverkleidung aus Lärchenholz wohl zu den schönsten seiner Art in der Umgebung von Brandenburg. In den Jahren 2003/04 erfolgte eine grundlegende Sanierung.

Die Neuendorfer Kirche zählt zu den jüngeren Sakralbauten und ist die einzige Barockkirche im Stadtgebiet. Doch gibt es in ihrem Inneren noch manches, was an die erste Kirche des Dorfes von 1588 erinnert. Da ist es vor allem ein dreiteiliges Altarbild, das den Altar der ersten Kirche schmückte und noch weit älter als diese ist. Als die neue Kirche einen für diese Zeit typischen Kanzelaltar erhielt, war der Gemeinde das alte Altarbild so wertvoll, daß man es an der Wand anbrachte. Nun stellt sich heraus, daß sich auf den Rückseiten der Flügel spätgotische Malereien befinden, die restauriert wurden. Wir können nun die Entwicklung dieses Altarbildes von der Spätgotik bis in die Reformation verfolgen. Es könnte sein, dass es sich um die Reste eines der vormals 18 Altäre in der St. Gotthardtkirche handelt, die im Zuge der reformatorischen Umgestaltung aus der Kirche verschwanden.
Der Wunsch aus dem Protokoll anlässlich des Baues von 1751 behält seine Gültigkeit:"Gott gebe, dass dieses Gotteshaus, wenn möglich, bis an das Ende der Welt stehe und darin das Wort Gottes lauter und rein gelehrt und die Zuhörer aufmerksame Herzen und Ohren mitbringen und alle die ewige Seligkeit davontragen mögen.“

Wir möchten gerne Besucher für dieses alte Kämmereidorf der Altstadt interessieren. Der Dorfkern mit seinen großen Grundstücken und seinem Anger ist noch erkennbar, wenn es auch seit langem keine Bauernhöfe mehr gibt.

Pfr. i.R. Ulrich Buchholz (+2015)

 

Kirchenöffnung für Besucher

Besucher können die Kirche nach den Gottesdiensten besichtigen, die einmal monatlich stattfinden (siehe Veranstaltungsplan) oder vor Ort bei Frau Laskowsky anfragen (Am Anger 2, Tel. 03381 30 39 85).

 

Friedhofsverwaltung Neuendorf:

St. Gotthardt- und Christuskirchengemeinde

Gotthardtkirchplatz 8 14770 Brandenburg an der Havel Telefon/Fax: 03381 522062;  buero(at)gotthardtkirche.de

Öffnungszeiten/Sprechzeiten Gemeindebüro: Montag - Donnerstag von 9 - 12 Uhr, Freitag geschlossen