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Offene St. Gotthardtkirche:

Die St. Gotthardtkirche ist täglich von Mai bis September täglich von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen (sonntags nach der Gottesdienst ab ca. 12 Uhr).

Oktober 11-16 Uhr; November/Dezember 11.30-15.30 Uhr; Januar/Februar 12.00-15.00 Uhr; März 11.30-15.30 und April 11.30-16.00 Uhr

Unterstützung gesucht

Die St. Gotthardtkirche wird von Mitarbeitern des Teams Offene Kirche an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Wir suchen ehrenamtlich engagierte Menschen, die helfen unsere St. Gotthardtkirche für Besucher offen zu halten. Das umfasst 1,5 Stunden Präsenzdienst als Aufsicht und Ansprechpartner für Kirchenbesucher. Je nach dem, wieviel Zeit Sie erübrigen können, von einmal wöchentlich bis einmal monatlich ist jede Unterstützung willkommen. Jeder Mitarbeiter im Team Offene Kirche bekommt eine Einweisung und wird eingearbeitet. Die vielen Besucher unserer Kirche werden es Ihnen danken! Bitte wenden Sie sich an unser Gemeindebüro. PS: Man muss nicht Kirchenmitglied sein, um in der Offenen Kirche mitzuarbeiten. Jede/r Interessierte ist herzlich willkommen.

Anfahrt und Parken

Auf dem Gotthardtkirchplatz gibt es begrenzte Parkmöglichkeiten. Die nächste öffentliche Parkgelegenheit, die Sie auch bei Konzert- oder Gottesdienstbesuchen nutzen können, befindet sich in ca. 250 m Entfernung auf dem Parkplatz Mühlentorstr./Ecke Ziegelstr. (Achtung Blitzer Tempo 30 hinter der Homeyenbrücke!)

 

 

Geschichte und Ausstattung: Westbau und Turm

Der Westbau der Sankt Gotthardtkirche besteht aus dem erhalten gebliebene Rest der romanischen Vorgängerkirche und ist damit der älteste Teil unserer Kirche. Zu erkennen sind die zum Bau verwendeten Feldsteine (überwiegend Granit), das romanische Portal und das große Rundfenster darüber.
Die Kirche erhielt den Namen des heiligen Godehard, eines Bischofs von Hildesheim, der 1131 heilig gesprochen worden ist. Kurze Zeit später begann der Bau der Kirche. Sie war somit die älteste Kirche im ganzen Havelland um Brandenburg, ist also älter als die Mark Brandenburg. Zwischen 1138 und 1150 siedelte der Brandenburger Bischof Wigger auf Wunsch des zum Christentum übergetretenen Hevellerfürsten Pribislav – Heinrich Prämonstratensermönche aus Leitzkau, unweit Magdeburgs gelegen, im Ort Parduin, der späteren Brandenburger Altstadt, an.
Bis Anfang der sechziger Jahre des 12. Jahrhunderts war unsere Kirche also Bischofskirche und Sitz der Prämonstratensermönche. Erst danach zogen Bischof und Mönche auf die Dominsel um, wo inzwischen der Bau einer Kirche und eines Klosters begonnen worden war. Danach fungierte die St. Gotthardtkirche als Stadtkirche der Altstadt. Sie wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis auf den Westbau abgerissen, um für den Neubau einer größeren gotischen Kirche Platz zu machen.

Der Westbau war ursprünglich zweitürmig angelegt. Im Laufe der Baugeschichte entstand aber nur ein Mittelturm.Der Turm besteht aus einem viereckigen Turmteil, einem oktogonaler (achteckiger) Aufsatz mit Kuppelhaube, einer Laterne mit Haube und einer Turmspitze mit Kreuz. Der Turm ist begehbar. Im Turm befindet sich die so genannte Türmerstube.

1776 erhielt der Turm im Wesentlichen seine heutige Gestalt, allerdings mit einer dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden kunstvollen barocken Laterne und Haube (Siehe das Kirchenmodell im Eingangsbereich der St. Gotthardtkirche. Das Kirchenmodell wurde von einem arbeitslosen ehemaligen Angestellten der Spielzeugfabrik Lehmann Anfang der des 20. Jahrhunderts detailtreu nachgebaut und ist sehr sehenswert).
Die barocken Oberteile wurden 1945 zerstört. Nach Kriegsende bekam der Turm zunächst nur einen provisorischen Abschluss. Erst 1964 – 1966 erhielt er wieder eine Laterne und Turmspitze. Der Neubau fiel einfacher und bescheidener aus, hat aber noch immer barocken Schwung.

1991 – 1993 wurden die oberen Teile des Turmes neu verputzt, die Laterne und die Haube erhielten eine Kupferbedeckung. Die Turmhöhe beträgt 56 m. Auch wenn von den 4 vorhandenen Bronzeglocken in der Regel nur 3 geläutet werden, ergibt das ein wohltönendes, volles und weithin schallendes Geläut.

 

 

Das Innere der St. Gotthardtkirche

Nachdem bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts die romanische Vorgängerkirche bis auf den Westbau abgerissen worden war, wurde an gleicher Stelle die gotische Kirche gebaut. Hauptbauphase war die Zeit von 1456 bis 1475 unter der Leitung des Baumeisters Henrik Reinstorp.


Es entstand eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Das Mittelschiff ist gut 17 Meter hoch. 16 Rundpfeiler (Säulen) tragen das Kreuzgewölbe. Auf diesem Bild sieht man, dass das vorherrschende Baumaterial der Backstein (Ziegel) ist, somit ist unsere Kirche eine Vertreterin der für ganz Norddeutschland typischen Backsteingotik.Daran ändert auch nichts, dass die beim Abriss der alten romanischen Kirche frei gewordenen Feldsteine teilweise mit verbaut worden sind.

St. Godehard

Wer war St. Gotthardt? Rechts vom Altar stehen an der Südwand des Chorumgangs drei spätgotische Schnitzfiguren (15. Jahrhundert). Für unsere Kirche ist die mittlere Figur von besonderer Wichtigkeit. Sie stellt den Hildesheimer Bischof „Godehard“ (mittelniederdeutsche Schreibweise) dar; auf seinen Händen das Modell seiner Hildesheimer Bischofskirche.„Godehard“ war einer der einflussreichsten Verfechter der benediktinischen Reform, die ihren Ausgang von den Klöstern Cluny und Gorze nahm. Sie hatte die strengere Befolgung der klösterlichen Gelübde (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) sowie die Verpflichtung zur Arbeit zum Ziel. Knapp 100 Jahre nach seinem Tode wurde er 1131 heilig gesprochen. Nur wenige Jahre später begann der Bau unserer Kirche. Die Ernennung zu deren Namenspatron durch den Magdeburger Erzbischof war ein klares kirchenpolitisches Signal. Das wiederbegründete Bistum sollte sich dem Geist dieser Reformbewegung verpflichtet wissen. St. Godehard ist ebenso Namenspatron für den weithin bekannten Gotthardttunnel in der Schweiz sowie für die Stadt Gotha, für die er als Abt des Klosters Hersfeld eine Stadtmauer errichten ließ.

Die spätgotische Schnitzfigur links von Godehard stellt den Apostel Matthias dar. Er wurde nach der Himmelfahrt Jesu an Stelle von Judas zum 12. Apostel gewählt. (siehe Apostelgeschichte 1, 15 – 16) Um das Jahr 63 soll er bei der Ausübung seines Missionsauftrages von Feinden des christlichen Glaubens halbtot gesteinigt und schließlich mit dem Beil erschlagen worden sein. Apostel Matthias gilt als Schutzheiliger der Bauhandwerker und Zimmerleute.
Die spätgotische Schnitzfigur rechts von Godehard zeigt den Bischof Maternus. Er ist mit 3 Bischofsmützen dargestellt, da er gleichzeitig 3 verschiedene Bistümer verwaltet haben soll. Unter anderem war er zu Beginn des 4. Jahrhunderts der erste Bischof von Köln. Seine Reliquien ruhen im Dom zu Trier, wo er ebenfalls Bischof war. Sein drittes Bistum war Tongern / Niederlande. Er gilt als Schutzheiliger gegen ansteckende Krankheiten und Fieber. Außerdem wird er angebetet für das Gedeihen des Weinstockes, was an Rhein und Mosel ja besonders wichtig ist.

Zwei weitere spätgotische Schnitzfiguren finden wir an der Nordwand des Chorumgangs, also links vom Hauptaltar. Es handelt sich um zwei Frauenfiguren; sie sind etwas kleiner als die drei Männer auf der anderen Seite. Die linke Figur stellt die heilige Veronika mit dem Schweißtuch dar. Die rechte Figur zeigt Maria Magdalena.

 

 

Epitaphien

Die St. Gotthardtkirche besitzt in Form der zahlreichen Epitaphien einen besonderen Schatz. Es handelt sich dabei um Gedächtnistafeln für Verstorbene aus Holz oder Stein, die am Kirchenäußeren oder wie bei uns im Kirchenraum angebracht worden sind. Dieser Brauch entwickelte sich nach der Reformation in der Renaissancezeit (16. Jh.) besonders stark.

Das Epitaph „Der Gekreuzigte mit Magdalena“ hängt am Mittelpfeiler am Eingang zur Taufkapelle.Es wurde 1586 von Thomas Heren aus Emden für die Familie Hans Trebaw und Ehefrau Ursula During geschaffen. In der Mitte der Bildtafel sehen wir den gekreuzigten Jesus, während Maria Magdalena den Kreuzesstamm umfasst. Beiderseits des Kreuzes kniet die Familie Trebaw. Eine besondere Kostbarkeit ist dieses Epitaph aber wegen seines heimatgeschichtlichen Wertes für unsere Kirche und darüber hinaus für die ganze Stadt. Rechts vom Kruzifix sehen wir einen Ausschnitt der Brandenburger Altstadt mit der St. Gotthardtkirche und ihrem damaligen Turm, auch der Rathenower Torturm ist gut erkennbar. Auf der linken Seite geht der Blick zur längst abgerissenen Marienkirche. Es ist eines wenigen Bildnisse, die die nicht mehr existierende Wallfahrtskirche St. Marien auf dem Marienberg zeigen. Es ist eines der ältesten erhalten gebliebenen Bilder der Brandenburger Altstadt. Dass die Bildtafel dieses Epitaphs wieder hell ist und die Bildinhalte gut erkennbar sind, verdanken wir der Arbeit des Berliner Restaurators Thoralf Herschel und im besonderen Maße der Vicco-von-Bülow-Stiftung, die eine große Geldsumme für die Restaurierung mehrerer Epitaphien zur Verfügung gestellt hat. Die Unterstützung ist nicht von ungefähr erfolgt, schließlich ist St. Gotthardt die Taufkirche von Vicco von Bülow (Loriot) gewesen. Er war zeitlebens seiner Taufkirche sehr verbunden. Eine sehenswerte Ausstellung in der Kirche weist auf diese persönliche Beziehung hin.

Widmen wir uns dem Epitaph für den Bürgermeister Joachim Damstorff (gestorben 1572) und seine Ehefrau Anna During. Es befindet sich im Chorumgang schräg rechts hinter dem Altar. Das Epitaph ist aus Sandstein. Unten befindet sich eine gut leserliche Schrifttafel. Das Epitaph darüber ist in zwei Etagen gegliedert. Die untere zeigt die Kreuztragung, rechts und links flankiert von Reliefporträts mit Namensbändern der beiden Verstorbenen. Die obere Etage hat die Geißelung Christi zum Inhalt. Beiderseits davon sehen wir zwei Wappen mit Einhorndarstellungen. Ein tempelartiger Aufbau bekrönt das Epitaph.

Direkt rechts hinter dem Altar hängt das steinerne Epitaph für den Bürgermeister Michael During und seine Frau Katharina Zierisses aus dem Jahr 1615. Die beiden knien im Mittelteil vor dem Relief des Gekreuzigten. Darüber befindet sich ein Relief der Auferstehung, davor kniet ihr Sohn. An der Wand darüber hängen drei auf Leinwand gemalte Brustbilder der gleichen Personen.

Direkt links hinter dem Altar finden wir das Epitaph für den Bürgermeister Friederici Krielii (gestorben 1707) und seine Frau.

Schräg links hinter dem Altar befindet sich das Epitaph für Georg Hahn von Basedow (Ende 16. Jahrhundert). Von unten nach oben zeigt es steinerne Reliefs der Grablegung, Auferstehung und Himmelfahrt. Das mittlere Relief wird flankiert von Darstellungen der Kreuzigung und Ehernen Schlange. Das mehrteilige Epitaph besteht aus weißem Sandstein mit goldener Umrahmung der einzelnen Bildfelder. Bestimmt ist es für den mit 23 Jahren verstorbenen Georg Cuno Hahn von Basedow, der vollplastisch und in Ritterrüstung vor dem Epitaph kniet. Mittelpunkt des Epitaphs ist die Darstellung der Auferstehung. Ein - entsprechend der Jugend des Verstorbenen - jugendlich beschwingter Christus ist aus dem Grab herausgetreten und steht inmitten menschlicher Totengebeine. Mit kühnem Auge schaut er in die Weite. In der Linken hält er das Osterkreuz mit dem Siegesfähnlein, das lustig im Winde
flattert. Wie passend zu diesem Bild dichtete ca. 50 Jahre später Paul Gerhardt: „Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh ers vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.“

Das Epitaph für Ch. Küpatz zeigt ein recht fantasievolles Gemälde der Geburt Christi.

Ein anderes Epitaph wurde 1572 für den Bürgermeister Nikolaus Hagen geschaffen. Im Mittelpunkt steht die Darstellung der Auferstehung Christi. Darunter kniet die Familie des Bürgermeisters und er selbst, ebenfalls nach Geschlechtern getrennt. Weithin sichtbar ist das qualitätvolle, auf Holz gemalte, schon fast barocke Epitaph am ersten Pfeiler links vor dem Altar. Das Bild ist geteilt: links bricht sich die Morgensonne Bahn und wirft ihren Schein über die Landschaft; rechts herrscht tiefschwarze Nacht. Christus ist aus dem Grab nicht eigentlich herausgetreten; vielmehr ist es dem Künstler gelungen, ihn voller Lebendigkeit über dem Sarkophag schwebend darzustellen. In der Linken hält er die österliche Siegesstandarte: das große Kreuz, das sich zartgolden vor dem dunklen Hintergrund abhebt, verbunden mit dem Osterfähnlein. Auch die entsetzten und wie wild gestikulierenden Wächter sind zu sehen, Bedeutungsvoll ist der erhobene Arm des Auferstandenen. Jesus zeigt das Nägelmal von der Kreuzigung an seiner rechten Hand. Aber er weist dem Betrachter nicht die Handfläche sondern den Handrücken. Dadurch entsteht eine einladende Geste, als wolle er sagen: Kommt her zu mir, alle, nehmt teil an meiner Auferstehung! Ja die ganze Welt sei eingeladen. Auch die Natur: auferstehen möge sie aus Dunkelheit und Kälte des Winters!
Und so stehe am Schluss dieser Betrachtung eine Liedstrophe von Max von Schenkendorf (1783-1817): „Der im Grabe lag gebunden, hat den Satan überwunden, und der lange Kerker bricht. Frühling spielet auf der Erden, Frühling solls im Herzen werden, herrschen soll das ewge Licht!“

Ein weiteres Epitaph wurde 1577 von Thomas Heren aus Emden für Pfarrer Christophorus Lybius gefertigt. Das Hauptbild zeigt die Grablegung Christi in einer in der Renaissancemalerei üblichen Fantasielandschaft. Der Pfarrer kniet mit weißem Chorhemd mit seiner Familie (nach Geschlechtern getrennt) unter dem Hauptbild.

Das nächste Epitaph heißt „Gesetz und Evangelium“. Es wurde geschaffen für den Pfarrer Petrus Weitzke (gest. 1585) und seine Frau Bornemann (gest. 1626). In der Mitte des Hauptbildes steht ein Baum, der auf der linken Seite (Gesetzesseite) verdorrt ist. Auf dieser Seite finden wir auch die Darstellung des Sündenfalles und der Höllenfahrt. Die rechte Seite des Baumes hat Blätter, hier finden wir Christus und Darstellungen aus der neutestamentlichen Heilsgeschichte. Auf dem Sockelbild finden wir eine Ansicht des Inneren der St. Gotthardtkirche bei der Leichenfeier für den Pfarrer, es ist ein authentisches Zeugnis aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dieses originale Abbild der Kirche, vom Maler verblüffend detailgetreu nachempfunden, wurde vergrößert 2015 als wertvolles Zeitdokument unter anderem für die Restaurierung des Altars verwendet. Viele Einzelheiten sind zu erkennen. Es scheint, dass sogar der Einhornteppich aus der heutigen Taufkapelle als Altarbehang sichtbar ist. Der Pfarrer kniet mit seinem Sohn links neben seiner Kirche, während wir die Ehefrau mit den Töchtern auf der rechten Seite vor einer Landschaft finden. Das Epitaph wird bekrönt von der Darstellung eines Gnadenstuhls.

Im Südteil der Kirche befindet sich ein Epitaph aus dem Jahre 1614 und erinnert an den Schneidermeister Berthold Fouwel und seine Frau. Auf dem Hauptgemälde wird die beginnende Sintflut dargestellt, die Menschen versuchen vergeblich sich vor dem ansteigenden Wasser zu retten.

Am dritten Pfeiler rechts befindet sich das steinerne Epitaph „Reicher Mann und armer Lazarus“. Es stammt aus dem Jahre 1549 und wurde geschaffen für Hans Trebaw und seine Frau. In mehreren Etagen wird in Reliefszenen die Geschichte (Lk 16, 19-31) erzählt.

Am vierten Pfeiler rechts sehen wir den „Schmerzensmann“ mit überwundener Schlange zu seinen Füßen. Das Epitaph stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und soll eine Arbeit des Bildhauers Hans Schenck von Scheußlich sein.

An der Südwand zwischen den Seitenkapellen finden wir ein Sandstein-Epitaph mit der eindrucksvollen Darstellung des Durchzugs der Israeliten durch das Rote Meer (2 Mose 14, 15-31). Während auf der linken Seite die flüchtenden Menschen das rettende Ufer erreichen, schlagen rechts die hohen Wellen über den sie verfolgenden Soldaten des Pharao zusammen. Über dem Relief befindet sich eine Schrifttafel mit Lebensdaten (1549, 1576) der Familie Matthias, an die das Epitaph erinnern soll. 

Am 4. Pfeiler links vom Eingang aus gerechnet hängt das Epitaph „Auferweckung des Lazarus“. Lesen Sie dazu Joh. 11, 28 - 44. Das Epitaph wurde Ende des 16. Jahrhunderts geschaffen und erinnert an den Bürgermeister Simon Roter und seine beiden Ehefrauen.

Am 2. Pfeiler links finden Sie das Epitaph „Jakobs Traum von der Himmelsleiter“. Es entstand ebenfalls am Ende des 16. Jahrhunderts. Im 1. Buch Moses 28, 11 – 22 erfahren Sie Näheres dazu.

Unmittelbar rechts neben der Nordkapelle befindet sich das Epitaph zur Erinnerung an den ehemaligen Pfarrer unserer Kirche Petrus Conovius (gest. 1642) und seine Ehefrau Marta Clemens (gest. 1622). 

Ein weiteres Epitaph finden Sie noch weiter rechts an der Nordwand. Es ist wesentlich jüngeren Datums, es stammt aus der Rokokozeit und wurde 1787 von Maria Elisabeth von Görne für sich und ihre bereits vorher verstorbenen zwei Schwestern gestiftet. Das kann man auf der linken Textseite (Kartusche) nachlesen. Hier nun der interessante Text auf der rechten Kartusche: „Heilig sei der Name der drey hier schlummernden Schwestern der hiesigen Saldrischen Schule und den Armen, den sie widmeten beyden einen Teil ihres Vermögens. So lange Saldrien blüht und in ihr dem State nützliche Männer gebildet werden, werde ihr Name mit Ehrfurcht genannt.“ Im unteren Teil des Epitaphs sehen wir die Todessymbole Totenkopf, Sense und gesenkte Fackel.

Ein Wandgemälde befindet sich über der Nordkapelle, es zeigt den „Tod als Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit und Wahrheit“. Er ist als Gerippe mit der Sense und dem Stundenglas als Symbol der Vergänglichkeit dargestellt. Auf der linken Seite sehen wir eine Tugendallegorie für die Gerechtigkeit, unter der Frauengestalt befindet sich eine Schriftkartusche mit der Überschrift „Justicia“. Ganz unten ist deutlich eine 15 lesbar. Auf der rechten Seite stellt eine Frauengestalt die Wahrheit dar, auf der Schriftkartusche darunter ist gut „Veritas“ zu lesen. Auch hier finden wir ganz unten eine Zahl, nämlich die 85. Das Wandgemälde stammt also aus dem Jahre 1585 und soll an Matthias von Saldern, den Oberkämmerer der Stadt, erinnern. Links neben dem Eingang zur Nordkapelle hängt eine große Schrifttafel. Es ist eine Gedenktafel zu Ehren von Johann Seyfried, dem ersten evangelischen Pfarrer der St. Gotthardtkirche und Superintendenten der Altstadt. Er war in Brandenburg tätig von 1541 bis 1549, und wurde bereits mit 47 Jahren Opfer einer Pestepidemie. Beide Kunstwerke sind keine Epitaphien, erfüllen aber eine wichtige Funktion derselben, nämlich die Erinnerung an eine verstorbene Person.

 

 

Taufkapelle

Gegen Ende der Hauptbauzeit (1456 – 1475) unserer gotischen Hallenkirche wurden an der Südseite drei Seitenkapellen angebaut. Auch an der Nordseite entstand eine Kapelle. Sie wurden u. a. nötig für die Unterbringung der zahlreichen in katholischer Zeit gestifteten Altäre. Vor der Reformation gab es in der St. Gotthardtkirche 18 Altäre. Die mittlere Kapelle an der Südseite wird seit 1906 als Taufkapelle genutzt. Deshalb steht hier auch die Tauffünte. Die Tauffünte ist unser ältestes Kunstwerk, wurde sie doch bereits in der Mitte des 13. Jahrhundert in einer niedersächsischen Hütte aus Bronze gegossen. Sie stand bereits in der romanischen Vorgängerkirche.

Die Kuppa, der obere Teil der Fünte, hat die Form eines Kelches und steht auf einem runden Fuß. Vier gegossene männliche Figuren stützen sie zusätzlich. Den Kelch umlaufen zwei Schriftbänder in lateinischer Sprache. (Die Übersetzung ins Deutsche: Ich (Jesus) bin der Erste und der Letzte. Ich wasche die Sünden ab und gebe die schönen Freuden des Himmels.) Dazwischen befindet sich ein Fries mit kunstvollem Blattwerk. Am oberen Rand befinden sich vier Löwenköpfe, sie sind Schmuck und vermutlich Dämonenabwehr zugleich. Darüber hängt ein reich geschnitzter Taufbaldachin, auch Taufkrone genannt. Er wurde 1621 von Zacharias Peters von Templin geschaffen, gehört also in die Zeit der Spätrenaissance. Die sechseckige und dreigeschossige Laterne ist mit Tugendallegorien (Allegorie = eine Figur soll einen abstrakten Begriff versinnbildlichen) ausgeschmückt und zieht den Blick nach oben zur Decke. Diese zeigt ein sehr seltenes Schlingenrippengewölbe.


In den Jahren 1904 - 1906 wurde unsere Kirche im größeren Maße renoviert, restauriert und teilweise umgestaltet. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die alte spätgotische Deckenbemalung aus dem 15. Jahrhundert freigelegt. Die Decke unserer Taufkapelle ist also aus diesen zwei Gründen ausgesprochen sehenswert.

Im Zuge der Wiederherstellung des Innenraumes der Kirche nach dem Orgelbrand von 1972 fand der über 500 Jahre alte Einhornteppich seinen neuen Standort in der Taufkapelle. Er ist eine niedersächsische Arbeit (Lüneburg?) aus der Zeit um 1470/80. Auf ihm ist eine vornehme Jagdgesellschaft in burgundischer Hoftracht dargestellt. In seinem Mittelpunkt (siehe Bild auf dem Titelblatt) flüchtet sich ein Einhorn in den Schoß einer jungen Dame. Die Menschen im Mittelalter glaubten noch an die Existenz des Einhorns. In Wirklichkeit war es ein Fabelwesen, was nur in zahlreichen Legenden „lebte“. Da machte auch die Kirche keine Ausnahme. Nach einer christlichen Legende hetzt der Engel Gabriel mit Hunden das Einhorn, dieses rettet sich in den Schoß der Jungfrau Maria. Das sollte die Menschwerdung Christi symbolisieren. Das wird der Grund sein, dass dieser Teppich in unserer Kirche seinen Platz gefunden hat. Man nimmt an, dass die Liebfrauenrosenkranzgilde, die 1463 der Kirche einen Marienaltar stiftete, auch diesen Teppich als Altarschmuck zur Verfügung gestellt hat.

Es ist außerordentlich erfreulich, dass er die Jahrhunderte so gut überstanden hat. Besonders die wunderbar erhaltenen Farben werden allgemein bestaunt. Dieses seltene Stück mittelalterlicher Gobelinweberei gehört jedenfalls zu den wertvollsten Kunstschätzen unserer Kirche.

Das Epitaph „Christus Triumphator“ hängt an der linken Seitenwand der Taufkapelle.Von oben nach unten wird die Trinität sichtbar. Ganz oben befindet sich Gottvater, darunter die Taube, den Heiligen Geist symbolisierend, und im Zentrum Christus als „Salvator mundi“ (Heiland der Welt) die Weltkugel tragend. Alles ist von zahlreichen Engelsgestalten eingerahmt. 1577 wurde dieses Epitaph für Nikolaus Dietrich und seine Ehefrau geschaffen, beide knien mit ihrer Familie unter dem Christusbild. Interessant ist auch der Text auf der Tafel ganz unten, das nicht nur wegen der damals noch recht „eigenwilligen Rechtschreibung“, sondern auch des Inhalts wegen. Er bezieht sich auf einen Bericht von Lentulus an den Römischen Rat von Jerusalem über Jesu Körpergröße.
„nym disse lini zehen mall so hastu die leng uberal.“ Da diese Linie unten 19 cm lang ist, ergäbe das also eine
Körperlänge von 1,90 m für Jesus. Übrigens – für die Richtigkeit der letzten Zahlenangaben übernehmen wir keine Gewähr.
An der rechten Wand hängt ein Epitaph für die Bürgerfamilie Schuller aus dem Jahre 1579. Dieses zeigt vier Reliefszenen (Sündenfall – Vertreibung aus dem Paradies – Verkündigung an Maria – Christi Geburt). Links neben diesem Epitaph befindet sich eine Holzfigur Johannes des Täufers. Sie wird der Stilepoche des Manierismus zugeordnet, die in der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock liegt. An die Stelle des Genormten, Festen und Begrenzten (Renaissance) tritt die starke Betonung der Bewegung, des Unendlichen. Johannes der Täufer trägt eine Muschelschale, mit der er die Taufe vollzogen hat. Das zeigt auch das linke Farbfenster in der Taufkapelle, wo er gerade Jesus tauft.

Die Taufkapelle wird von anderen Seitenkapellen eingerahmt. Links davon befindet sich über der Sakristei die ehemalige Ratsloge. Die künstlerische Ausgestaltung der Brüstung zeigt sieben gemalte Frauenfiguren aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts stellen antike und christliche Tugenden dar (Allegorien). Es handelt sich von links nach rechts um: FIDES = Treue, Glaube; SPES = Hoffnung; CHARITAS = mildtätige Liebe; JUSTITIA = Gerechtigkeit; PRUDENTIA = Klugheit; FORTITUDO = Tapferkeit und VERITAS = Wahrheit. Unter den Bildern befinden sich die Namen und Familienwappen von Ratsherren, die wohl die Stifter der Gemälde gewesen sind.
Rechts von der Taufkapelle finden wir zwei weitere Seitenkapellen. Die untere wird als Ausstellungsraum für Skulpturen (Dauerleihgaben) des zeitgenössischen Künstlers Hans-Joachim Burgert aus Berlin verwendet. Es handelt sich um Stahlkonstruktionen in Leichtbeton mit Leinölfirnis.
Die obere Kapelle wird Schusterchor genannt. Dieser Name lässt den Schluss zu, dass dieser Raum in der Vergangenheit mindestens zeitweise von den Schuhmachern der Stadt genutzt worden ist.

 

 

Der in Brandenburg an der Havel geborene Ehrenbürger der Stadt Vicco von Bülow alias Loriot wurde am 30. Dezember 1923 in der St. Gotthardtkirche getauft. Besucher können eine Ausstellung über Loriots Beziehung zu seiner Heimatstadt Brandenburg in der St. Gotthardtkirche anschauen und erfahren, wie es im Jahr 1985 dazu auf abenteuerliche Art und Weise kam, dass er seine Zeichungen im Brandenburger Dom ausstellen konnte.

Zu seiner Taufe, erinnert sich Loriot einmal, wurde er kurz mit der ebenfalls an diesem Tag getauften Luise Dietz in einem Kinderwagen abgelegt: «Für Säuglinge heute unbegreiflich: Ich missachtete die Gunst der Stunde. Es ist immerhin möglich, dass mich der mangelnde Liebreiz meiner Partnerin oder die Würde des Ortes schreckte. Ich fürchte jedoch, mein damaliges Versagen beruhte auf reiner Prüderie. Der Ballast überalterter abendländischer Erziehungskonventionen mag dabei eine Rolle gespielt haben. Leider wurde mir im Arrangieren ähnlicher Situatuionen bis heute kein kirchlicher Beistand mehr zuteil, womit der modernen Seelsorge natürlich kein Vorwurf gemacht werden soll.»

 

 

 

 

Das Triumpfkreuz 

In den Jahren 1904 – 1906 fanden im großen Maße Restaurierungen, Umbauten, Neugestaltungen usw. in der St.Gotthardt-Kirche statt. Nach Abschluss dieser Arbeiten erschien zur Wiedereröffnung der Kirche eine Festschrift, verfasst vom damaligen Pastor W. Schott, daraus zitieren wir: „Ein besonderes Verdienst um die Erhaltung der alten Kunstschätze erwarb sich der Bauleiter (-Baumeister Dihm aus Friedenau-) dadurch, dass er die wichtigsten Teile des noch aus der katholischen Zeit stammenden Hochaltars, nämlich die in Holz geschnitzten Gestalten des Gekreuzigten, sowie die der Maria und des Johannes, in der Form eines Triumphkreuzes zwischen den beiden den Altarraum nach Westen zu abgrenzenden Pfeilern anbringen ließ.“ Aus altehrwürdigen Kunstwerken (Spätgotik; 2.Hälfte des 15.Jahrhunderts) entstand ein „neues“ Triumphkreuz, was das Kirchenschiff optisch ungemein aufwertete. Zu Füßen des Kreuzes stehen links Maria und rechts der Lieblingsjünger Johannes. An dieser Stelle sei an das Johannesevangelium 19, 26-27 erinnert: „Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie den Jünger zu sich.“ An den vier Kreuzesenden finden wir die Namen und Symbole der Evangelisten. (unten: Stier = Lukas; links: Löwe = Markus; rechts: Engel = Matthäus; oben: Adler = Johannes)
Ein Hinweis für alle, die die oberen drei Symbole und Schriftbänder nicht erkennen können: Im Chorumgang rechts vom Altar finden sie das Fenster mit den Gestalten der vier Evangelisten und darunter, wesentlich besser erkennbar, die Namen und die dazugehörigen Symbole noch einmal.
 

Aus der Festschrift von Pastor W. Schott, dass in den Jahren 1904 – 1906 an und in der St.Gotthardtkirche umfangreiche Bauarbeiten stattgefunden haben. Bereits in den 80iger Jahren des 19. Jahrhunderts begann die Gemeinde dafür Geld zu sammeln. Pastor Schott lobt in der Festschrift die Spendenfreudigkeit der Gemeindemitglieder. Als dann später erfreulicherweise auch größere Geldsummen von der Provinzialverwaltung, der Stadt und vom Ministerium dazu kamen, konnte 1904 begonnen werden. Unter der Gesamtleitung des Baumeisters Dihm aus Friedenau wurde nun bis 1906 repariert, renoviert, restauriert, umgebaut, neugestaltet, modernisiert usw. Auch während der Baumaßnahmen gab es noch weitere Spenden und Stiftungen. Was wurde laut Festschrift in diesem Zeitraum alles gemacht?
- Renovierung des Kirchenäußeren
- Freilegung des Westportals
- Erneuerung der Eingänge auf der Nordseite
- Einige Eingänge erhalten Windfänge
- Das Dach wird neu gedeckt
- Wiederaufstellung des Dachreiters
- Erneuerung des Rundfensters (Westbau)
- Malermäßige Renovierung des Kircheninneren
- Empore vor den Südkapellen wird abgebaut
- Die Kirche erhält neues Gestühl
- Einbau einer Heizungsanlage
- Die Kirche erhält elektrische Beleuchtung (vorher Gas)
- Einrichtung und Gestaltung der Taufkapelle
- Taufbaldachin wird restauriert und wieder aufgehängt
- Restaurierung zahlreicher Epitaphien und Gemälde
- Anbringung des Triumphkreuzes
- Neugestaltung der meisten Farbfenster (Chorumgang, Seitenkapellen)
- Die Kirche erhält eine neue Orgel (Firma Sauer) unter Erhaltung des alten Barockprospektes
u. a. m.

 

 

Der Altar

Nach Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg wurde die St. Gotthardtkirche zu einer evangelischen Pfarrkirche umgestaltet. Dabei verschwanden der mittelalterliche katholische Hochaltar und eine Vielzahl von Nebenaltären. Dafür wurde ein neuer Altar geschaffen, der auch heute noch in unserer Kirche steht. Die Altartafeln wurden 1559 im Renaissance-Stil vom Leipziger Meister Wilhelm Gulden gemalt. Die rahmenden Holzarbeiten schnitzte der Brandenburger Meister Lurch.

Mit den einzelnen Bildern wird das Programm der Reformation dargestellt. Es ist im gewissen Sinne eine reformatorische Bilderpredigt. Im Mittelpunkt steht das Abendmahl Christi mit Brotkorb und gemäß reformatorischer Praxis mit Kelch. Der linke Flügel zeigt die Taufe Christi. Die hebräische Schriftzeile weist auf das Sakrament der Taufe hin. Abendmahl und Taufe sind die beiden in der evangelischen Kirche gültigen Sakramente. Auf dem rechten Flügel sehen wir den predigenden Jesus. Damit soll auf die zentrale Bedeutung der Predigt in der evangelischen Kirche hingewiesen werden. Eine Gestalt mit Brot und zwei Fischen im Arm lässt den Schluss zu, dass es sich um die Speisung der 5000 handelt. Auf der Predella (Sockel für Altaraufsätze) werden Christi Geburt und die zur Krippe eilenden Hirten dargestellt.

Unser Altar wird bekrönt durch den so genannten Gnadenstuhl. Gottvater trägt den gekreuzigten Christus auf seinen Knien, nimmt ihn also in sein Reich auf. Auch die Rückseiten der Altarflügel sind bemalt sind und der Altar konnte geöffnet (zu Festtagen) und geschlossen werden (z.B. in der Passionszeit oder an Werktagen). Links und rechts waren bei geschlossenem Altar die Tafeln mit Bildnissen der Apostel Petrus und Paulus zu sehen, die dem reformatorischen Altar hinzugefügt wurden. Diese wurden 1561 vom Rat der Altstadt gestiftet. Bis 1874 war dieser Doppelflügelaltar in Gebrauch.

Da die St. Gotthardtgemeinde dann aber nicht mehr zufrieden war mit ihrem "alten" Altarbild, beauftragte sie 1872 den Maler Gottfried Pfannschmidt mit der Herstellung eines "neuen" Altars. Der Pfannschmidt-Altar mit Christus in Gethsemane wurde im Chorraum aufgestellt und der alte Flügelaltar wurde abgestellt, beiseite geräumt. Ein Foto aus dem Jahr 1895 zeigt ihn auf der Rückseite des neuen Altars im Chorumgang. Eichholz erwähnt ihn 1912 in der jetzigen Taufkapelle. Schon während der großen Restaurierung der Gotthardtkirche 1904-1906 wollte Ludwig Diehm die Altäre wieder umstellen, die Idee fand aber keine Zustimmung. Es wurden in dieser Zeit aber Restaurierungsarbeiten am Altar vorgenommen.

Erst in den 1940 er Jahren hat man sich dazu entschlossen, den ursprünglichen reformatorischen Altar wieder als Hauptaltar zu nutzen. Man stellte aber fest, dass erst Restaurierungen notwendig sind und in Absprache mit dem Kirchlichen Bauamt gab man die Flügel Petrus und Paulus 1942 zu einem Restaurator nach Berlin. Glücklicherweise entschied sich die St. Gotthardtgemeinde damals dagegen, den ganzen Altar nach Berlin zum Restaurator zu geben. Denn durch die Kriegswirren gingen die Seitenflügel nach einem Zwischenaufenthalt bei der Inneren Mission in Berlin "verloren". 1947 wurde der Gulden-Altar ohne die Apostel wieder in der St. Gotthardtkirche als Hauptaltar aufgestellt. 1970 fragte die St. Gotthardtgemeinde im Konsistorium nach dem Verbleib der Aposteltafeln Petrus und Paulus. Aber erst 1983 wurden sie durch den Pfarrer i.R. Korth in Berlin-Hermsdorf entdeckt. Sie hingen in der dortigen Apostel Pauluskirche bereits seit dem 2. Advent 1960 als Leihgabe der Landeskirche. Der Gemeindekirchenrat von St. Gotthardt hat 1984 beschlossen, die Altartafeln als Dauerleihgabe in Berlin zu belassen, es wäre wohl auch schwierig geworden mit einer Rückführung aus Westberlin. Leider wurde damals durch das Konsistorium kein Dauerleihvertrag erstellt und die Berliner Gemeinde wusste bis zum Jahr 2014 offiziell nicht, wer eigentlich der Eigentümer der Tafeln war. Nach dem Mauerfall besichtigten Mitglieder der St. Gotthardtgemeinde die Tafeln mit einer Restauratorin bereits einmal in Berlin. Aber erst 2011 hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, die Rückführung der Tafeln zu beantragen. Es hat dann noch bis zum Dezember 2014 gedauert, bis alles durch das Kirchliche Bauamt geklärt, die Berliner Gemeinde aufgeklärt und um Rückgabe gebeten werden konnte.

Seit dem 15. Januar 2015 sind unsere Apostel wieder "zu Hause". Der ganze Altar wurde im Zuge der Rückführung der Altartafeln restauriert und weitestgehend in seinen reformatorischen Zustand versetzt. Dabei half eine Darstellung aus dem Weitzke'schen Epitaph von 1586, die den Altaraum mit Altar verblüffend detailgenau in seiner reformatorischen Gestalt zeigt. 

Das war eine wichtige Grundlage für die Restaurierung. Seit dem Osterfest 2016 ist der vollständig restaurierte Altar in der St. Gotthardtkirche zu sehen. Er ist eines der bedeutendsten Zeugen der Reformation in der Mark Brandenburg und gilt wohl als erster reformatorischer Altar im Land Brandenburg.

Der zwischenzeitlich als Hauptaltar fungierende "Pfannschmidt-Altar" hat heute in der Nordkapelle seinen Platz, die mit Spendenmitteln zu Ehren des 85. Geburtstages von Vicco von Bülow restauriert werden konnte. Die Nordkapelle seiner Taufkirche wurde ihm symbolisch nach einer erfolgreichen Spendenaktion von seiner Geburtsstadt geschenkt. Er dankte es mit der Unterstützung zahlreicher Restaurierungen in der St. Gotthardtkirche durch seine Vicco-von-Bülow-Stiftung.

 

 

Die Fenster

Wie das Epitaph für den 1585 verstorbenen Pfarrer Petrus Weitzke beweist, besaß die St.Gotthardtkirche bereits damals farbige Chorfenster. Im 19. Jahrhundert waren diese Fenster inzwischen in einem sehr schlechten Zustand. Die Besucher der Kirche beklagten den „ständigen Zugwind“. „Vögel“, die durch größere undichte Stellen in die Kirche gelangten, „störten die Andacht“. Deshalb wandte sich der Kirchenvorstand an den Preußenkönig Wilhelm I., dem späteren Deutschen Kaiser (1871), mit der Bitte um Hilfe, sie wurde erhört. Der König übertrug Ferdinand von Quast, dem ersten Konservator der preußischen Kunstdenkmäler, die Aufgabe, ein Fenster für unsere Kirche zu entwerfen. Nach dem Entwurf von Quast, der in dieser Arbeit nicht unerfahren war, wurde das Fenster im Königlichen Institut für Glasmalerei in Charlottenburg gefertigt und von Glasmaler Ulrich gemalt. Die St. Gotthardtkirche erhielt dieses prächtige neue Fenster im Jahr 1868, es erhielt seinen Platz direkt hinter dem Altar.
Dieses sogenannte Chorscheitelfenster war im Krieg nur mit Pappe und Holz etwas „gesichert“, überstand die Kampfhandlungen natürlich nicht ohne größere Schäden. 1946 wurde das Fenster notdürftig abgedichtet. Ab 1951 erfolgten erste Reparaturen. 1992/93 wurde das Fenster ausgebaut und fachgerecht restauriert, es wurde gereinigt, gesprungene Gläser geklebt bzw. erneuert, Glasmalereien ausgebessert bzw. teilweise erneuert, fehlende Felder wurden neu angefertigt u.a.. Seit Beendigung dieser Arbeiten können wir uns wieder an der vollen Schönheit dieses Fensters erfreuen.

Das Wichtigste an diesem Fenster sind die 22 runden Medaillonfelder mit Darstellungen aus dem Leben Christi (Christuszyklus). Diese Felder sind in 5 Etagen zu je 4 Medaillons angeordnet. Der Zyklus beginnt ganz unten links. Er geht dann weiter immer links beginnend von unten nach oben. Ganz oben finden wir noch 2 Darstellungen aus dem Leben Christi, sie beenden den Christuszyklus und bekrönen das gesamte Chorscheitelfenster. Es handelt sich um die Darstellung der „Auferstehung“ und der „Himmelfahrt“. Zwischen den Etagen mit den Medaillonfeldern sind jeweils außen 2 Felder mit einer Art Teppichmuster und innen 2 Felder mit Weinranken angeordnet. Diese Felder lockern das Gesamtbild etwas auf, schaffen für das Auge etwas Abwechselung. Farblich dominieren kräftige Rot-, Blau- und Grüntöne, auch das Gelb ist nicht zu übersehen. Bei der Glasmalerei wurde mit der Technik der Schwarzlotzeichnung gearbeitet, d.h. mit dem Pinsel wurden die Ränder der Gestalten, Formen und Konturen schwarz verstärkt. Dadurch werden die Bilder auch aus der Entfernung besser Erkennbar. In unserem Falle benutzte der Maler sehr feine Pinsel und Federn, die Bilder gewinnen dadurch an Schönheit, was aber aus größerer Entfernung oft nicht mehr wahrnehmbar ist. Die Fotos sind manchmal „schöner“ als das, was man mit bloßem Auge erkennen kann.

Ein Ausschnitt aus dem großen Chorfenster, das in Bildern das ganze Leben von Jesus nachzeichnet, zeigt die Weihnachtsszene, die Geburt von Jesus. Maria sieht man dort liegen, mit erschöpftem aber glücklichem Blick auf ihr Kind; Josef, der ein wenig verwundert dreinschaut; und Ochs und Esel, die aus dem Hintergrund hervorlinsen und uns signalisieren, dass sich diese Szene in ihrem Stall ereignet. Und dann in der Mitte das Kind: es scheint zu schweben ... es liegt nicht auf dem Bauch von Maria, wie es nach einer Geburt zu erwarten wäre, sondern es sieht vielmehr so aus, als würde es sich gerade vom Himmel herabsenken ... und als würde Maria es mit ihrer linken Hand fassen, um
es auf ihren Schoß hinunterzuziehen ... Indem Maria dies so tut, regt sie an, darüber nachzudenken, ob das nicht mit allem „Neuen“ so ist: Dass es zu uns gelangt wie aus heiterem Himmel, und wir zupacken müssen, um es wirklich zu glauben und uns zu Herzen zu nehmen, damit etwas Neues wirksam werden kann – ganz konkretes Neues, wenn z.B. zu einem neuen Nachbarn Kontakt und Vertrauen entsteht oder wenn Kinder und Eltern gemeinsam eine neue Idee für den Familienalltag ersinnen. Dann aber auch das Neue, das nicht mit Händen zu greifen, sondern im Innern zu spüren ist: dieses Neue ist Hoffnung, dass nicht alles bleiben muss, wie es ist, sondern so wird, wie es um Gottes Willen sein soll.
 

Betrachten wir hoch oben im Chorscheitelfenster mit dem Christuszyklus von 1868 das Medaillonfeld mit der Auferstehung Christi. Es hat eine klare, fast symmetrische Gestaltung: in der Mitte, frontal vor dem Betrachter, Christus; links und rechts je ein Engel. Deren fließende Gewänder bilden einen Kontrast zur Strenge des übrigen Bildes. Christus tritt mit dem rechten Fuß auf den Rand des Grabes, das linke Bein ist noch unsichtbar. Mit der linken Hand umfasst Christus das österliche Siegeszeichen, den Stab mit dem Kreuz - ein Symbol dafür, dass beides zusammengehört: Kreuz und Auferstehung. Das Kreuz ist rot wie das Gewand Christi. Sein Haupt ist umgeben von einem mehrfarbigen Nimbus. Schön der tiefblaue Bildhintergrund. Das Bild lädt zum Verweilen ein. Voller Ruhe, aber auch voller Kraft, kann es Zuversicht vermitteln und Gewissheit der Auferstehung.

Im Rahmen der umfangreichen Baumaßnahmen in den Jahren 1904-1906 erhielt unsere Kirche eine Reihe neuer Chorfenster. Aus den zur Verfügung stehenden Geldmitteln wurde das Kirchenfenster bezahlt, das die 4 Evangelisten zeigt. Dieses Fenster finden sie in der Kirche rechts vom Altar. Unter den Gestalten der Evangelisten befinden sich die Namen und die dazugehörigen Evangelistensymbole. Von links nach rechts geordnet handelt es sich um Mattheus = Engel; Marcus = Löwe; Lucas = Stier; und Johannes = Adler. Die Namen sind wie auf dem Fenster geschrieben.
Links vom Altar befindet sich das Chorfenster mit der Darstellung des Apostel Paulus. Das Geld dafür spendeten die Gemeindekörperschaften der St. Gotthardtkirche. Zwei weitere Chorfenster, die von wohlhabenden Brandenburger Bürgern gestiftet wurden, sind leider dem Krieg zum Opfer gefallen. Sie stellten die Geburt Jesu und die Himmelfahrt dar. In den 4 Nischen schräg hinter dem Altar befanden sich 4 kleinere farbige Fenster, die den Krieg ebenfalls nicht überstanden haben. Diese Fenster wurden zugemauert. Das kann man besonders gut erkennen, wenn man außen um die Kirche herumgeht.

In allen Seitenkapellen finden wir schöne farbige Fenster. Wir beschränken uns aber auf die beiden Fenster in der Taufkapelle, die ebenfalls durch Stiftungen wohlhabender Bürger im Jahre 1906 eingebaut werden konnten. Das linke Fenster zeigt die Taufe Christi.. Christus steht natürlich im Zentrum des Bildes, rechts sehen wir Johannes den Täufer, der gerade die Taufe vollzieht, links steht ein Engel, die Oberbekleidung des Täuflings tragend. Das rechte Fenster steht unter dem Motto: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Christus steht natürlich auch hier im Mittelpunkt, er wird von zahlreichen Kindern eingerahmt. Beide Fenster sind typische Beispiele für Grisaillemalerei. Der Begriff leitet sich ab vom französischen Wort gris = grau. Die Glasmaler setzten also bewusst Grautöne ein, um bei den Figuren und Formen optisch eine Plastizität zu erreichen. Das kann man besonders gut an den Blättern unseres Beispielfensters erkennen.
Wenden wir uns dem Rundfenster in der Bibliothek zu. Es ist von Prof. Ludwig Schaffrath aus Aachen entworfen worden und wurde 1993 eingebaut. Es ist also ein Beispiel für moderne Glasmalerei. Die weißen Teile wirken bei Sonnenschein wie Leuchtkörper. Das Licht scheint auf den hellgrauen Bändern ins Innere zu fließen. Das Fenster lockert die massive Feldsteinmauer etwas auf.

 

 

Die Kanzel

Im Zuge der Umgestaltung zu einer evangelischen Pfarrkirche erhielt St. Gotthardt auch eine neue Kanzel. In diesem Zusammenhang ist die Standortauswahl für die Kanzel beachtenswert. Sie bekam einen Platz in der Mitte der Kirche, also inmitten der Gemeinde. Das hat natürlich auch akustische Vorteile, schließlich stand dem Prediger früher nur seine mehr oder weniger laute natürliche Stimme zur Verfügung. Damit wird aber vor allem die besonders wichtige Rolle der Predigt im Gottesdienst der evangelischen Kirche hervorgehoben. Das wird auch durch die Sitzordnung unterstrichen. Die Kanzel wurde 1623/1624 von Georg Zimmermann (geb. in Quenstedt bei Halberstadt; gest. in Brandenburg) geschaffen. Das Material ist Sandstein (die hellen Teile) und Holz (meist golden gestaltet).
Betrachten wir zunächst den Aufgang und den Kanzelkorb, so wechseln helle Reliefszenen aus dem Leben Jesu und aus dem alten Testament mit geschnitzten Evangelistenfiguren und Figuren des alten Testaments ab. Den Besuchern unserer Kirche fallen meist auch die Sanduhren auf. Damit konnte der Pfarrer sich zeitlich selbst kontrollieren. Aber auch die Gemeinde merkte, wenn die Predigt und damit der Gottesdienst zu lang geriet. Der Schalldeckel über der Kanzel ist künstlerisch besonders reich ausgestaltet. Auf der Unterseite finden wir ein Gemälde der Trinität. Auf dem Gesims stehen 5 Schnitzfiguren aus dem alten Testament. Darüber folgt eine Laterne mit goldenen Säulen. Der Laternenaufsatz wird bekrönt durch den Auferstandenen.

Die Tür zum Kanzelaufgang schmückt der Spruch: „Den Eingang und den Ausgang mein, laß Dir, o Herr, empfohlen sein.“ Über der Tür sehen wir die Figur des Guten Hirten (Joh.10) und das Wappen (typ. Arbeitsgeräte) der Tuchmacher. Was soll das hier? Die Antwort auf diese Frage finden wir auf der Stiftertafel der Tuchmachergilde der Altstadt, die am gleichen Pfeiler angebracht ist wie die Kanzel. Sie sehen wir auch auf unserem Titelblatt. Auf dieser sehr farbenfrohen Tafel finden wir die Namen von rund 100 Tuchmachern mit ihren Firmenzeichen, so würden wir heute dazu sagen. Die Namenstafel wird eingerahmt von ovalen Porträtbildern der Gildemeister und Vorsteher der Gilde. Das Tuchmachergewerbe war in der Brandenburger Altstadt damals also recht stark entwickelt. Aus einer Textstelle geht hervor, dass die Tuchmachergilde die Kanzel 1624 gestiftet hat. Zu dieser Zeit hatte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) Brandenburg offensichtlich noch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Als besonderen Schmuck birgt die Tafel einen Amethyst. Dazu finden wir einen lateinischen Text, hier die Übersetzung: „Wie der Amethyst wachsam machend des Weines Wirkung vertreibt, so sollen die Hirten, wachsam im Amt, die Lämmer weiden.“Die gesamte Tafel wird bekrönt vom Stadtwappen der Altstadt, der Figur des Jakobus des Jüngeren, der ein Schutzheiliger der Tuchmacher war, und abermals dem Wappen der Tuchmacher. Wenden wir uns schließlich der Trägerfigur unserer Kanzel zu. Wir wissen nicht, wer sich dahinter verbirgt? Es wäre nicht unlogisch, wieder Jakobus den Jüngeren dahinter zu vermuten, der ja schon die Stiftertafel bekrönt. Aber auch der Apostel Paulus galt als Schutzheiliger der Tuchmacher. Er könnte es also auch sein. Trotz dieser ungeklärten Frage sollten wir uns an dieser schönen, künstlerisch gelungenen Trägerfigur erfreuen. Das ganze Ensemble (Kanzel und Stiftertafel) ist sehenswert.

 

 

Die Orgel

Welch ein Wunder die St. Gotthardtkirche in ihrem jetzigen weitgehend restaurierten Zustand ist, zeigt die Ereignisse des Jahres 1972 und was daraus folgt.

1736 hatte der berühmte Orgelbauer Joachim Wagner aus Berlin die Orgel für die St.-Gotthardtkirche entworfen. Wagner galt in jener Zeit als der führende Orgelbaumeister im Raum Berlin-Brandenburg. 1737 wurde die Orgel der Gemeinde übergeben. In der Festschrift von W. Schott (1906) finden wir zu dieser Orgel u.a. folgenden Satz: „1865 war man genötigt, wieder eine größere Orgelreparatur durch den Orgelbaumeister Buchholz vornehmen zu lassen.“ Man hatte also Sorgen damit. So wurde im Rahmen der umfangreichen Baumaßnahmen in den Jahren 1904-06 die Wagnerorgel ausgebaut. Der kunstvolle Barockprospekt blieb dabei aber erhalten. Dank einer großzügigen Stiftung des bekannten Brandenburger Industriellen Ernst Paul Lehmann war der sofortige Bau einer neuen Orgel möglich. Die Orgelbaufirma Sauer baute sie in den alten Prospekt der Wagnerorgel hinein. Leider konnte sich unsere Gemeinde nicht sehr lange daran erfreuen.

Der Orgelbrand wurde durch eine Unachtsamkeit von Kirchenbesuchern ausgerechnet am 5. Mai 1972, dem St. Godehardstag, ausgelöst und runierte Orgel und Kirche durch Flammen, Rauch und Löschwasser. Der Orgelbrand war ein schwerer Schlag: Die viermanualige Sauerorgel und der kostbare barocke Prospekt waren unwiederbringlich verloren; der Innenraum der Kirche hatte schweren Schaden genommen. Aber die Lage war schine hoffnungslos. Die Gemeinde wusste nicht, wie es nun weitergehen sollte. Doch als Ironie der Geschichte - oder war es der schwarze Humor von St. Godehard? - musste die staatliche Versicherung der DDR die Kosten für einen Orgelneubau und die Innenausmalung der Kirche zu übernehmen. Dass es vierzehn Jahre bis zum Einbau der neuen Orgel dauerte, lag mit daran, dass Uneinigkeit bestand, ob die Kirche überhaupt weiter genutzt werden sollte und nur mit großen Anstreungungen gelang es, die Schwierigkeiten unter den Bedingungen der DDR einen Orglneubau und eine Kirchenrestaurierung zu realiseren. Erst im Jahre 1979 konnte der Vertrag mit der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke geschlossen werden. Am 7. September 1986 war es endlich so weit: In einem festlichen Gottesdienst wurde die neue Orgel eingeweiht. Entstanden war eine der schönsten Orgeln im weiten Umkreis, auf der sich alle musikalischen Stilarten von alter Musik über das 19. Jahrhundert bis hin zur Moderne gültig darstellen lassen. Das Instrument besitzt weit über 3000 Pfeifen und 44 Register auf drei Manualen und Pedal. Oben unter dem Gewölbe befindet sich das Hauptwerk, darunter das Schwellwerk hinter den beweglichen durchsichtigen Schwellertüren, seitlich rechts und links sehen wir die hohen Pedaltürme und an der Emporenbrüstung das Rückpositiv. Ohne die klare Zielvorstellung und Beharrlichkeit der damaligen Kirchenmusikerin Bettina Damus und der Pfarrer Ziethe und Behrendt und anderen Mitstreitern wäre der Orgelneubau und die Kirchenrestaurierung nicht zu denken gewesen. Die klassisch schöne Prospektgestaltung, die sich so harmonisch in die Westfront der spätgotischen Hallenkirche einfügt, ist ein Werk des Hallenser Architekten Fritz Leweke. Für die aufwendigen Tischlerarbeiten konnte die Brandenburger Firma Lietze gewonnen werden. Die Disposition, d. h. die Auswahl und Verteilung der Register auf die verschiedenen Manuale, hat der Orgelbauer Rudolf Nehm von der Firma Schuke entworfen. Wertvolle Hilfe kam dabei auch von dem Berliner Domorganisten Michael Pohl. Die Pastoren Martin Behrendt und Paul Ziethe haben das Projekt Orgelneubau und die Restaurierung der St. Gotthardtkirche stets verständnisvoll und umsichtig gefördert.

Die Orgeldisposition:

 

I Rückpositiv C-g3


 

1.

Holzgedackt

8'

2.

Quintadena

8'

3.

Prinzipal

4'

4.

Rohrflöte

4'

5.

Sesquialtera II

 

6.

Oktave

2'

7.

Spitzflöte

2'

8.

Nasat

11/3'

9.

Scharff IV

10.

Vox humana

8'

 

Tremulant

 
 

II Hauptwerk C–g3


 

11.

Gedackt

16'

12.

Prinzipal

8'

13.

Rohrflöte

8'

14.

Viola da Gamba

8'

15.

Oktave

4'

16.

Gemshorn

4'

17.

Quinte

22/3'

18.

Oktave

2'

19.

Mixtur IV

20.

Scharff V

21.

Trompete

8'

 
 

III Schwellwerk C–g3


 

22.

Bordun

16'

23.

Geigenprinzipal

8'

24.

Gedackt

8'

25.

Salizional

8'

26.

Oktave

4'

27.

Blockflöte

4'

28.

Nasat

22/3'

29.

Waldflöte

4'

30.

Terz

13/5'

31.

Sifflöte

1'

32.

Mixtur V

33.

Dulcian

16'

34.

Oboe

8'

 

Tremulant

 
 

Pedalwerk C–g1


 

35.

Prinzipal

16'

36.

Subbaß

16'

37.

Oktave

8'

38.

Bassflöte

8'

39.

Oktave

4'

40.

Flachflöte

2'

41.

Mixtur V

42.

Posaune

16'

44.

Trompete

8'

44.

Clairon

4'

 

Ein Großteil des Textes zur St. Gotthardtkirche wurde verfasst von Rolf Gutmann und in einer Serie zur St. Gotthardtkirche im Gemeindebrief der Jahrgänge 2003-05 erstmals veröffentlicht und für diese Internetseite aktualisiert. Der Text zur Geschichte des Altars wurde von Frau Bettina Damus verfasst. Die Texte zur Auferstehung im Chorscheitelfenster und zu den Epitaphien Basedow und Nikolaus Hagen stammen von KMD Ernst Damus. Den Text zur Geburt Christi im Chorscheitelfenster schrieb Pfr. Dr. Christoph Vogel.

Letzte Änderung am: 03.12.2019